Ein Siegertyp: der Mann der Gottesanbeterin

Einer der Twitter-Accounts, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den antiwissenschaftlichen Aberglauben aufzudecken, der in Teilen der akademischen Welt Fuß gefasst hat, @TheSafestSpace, hat mich auf die Diskussion aufmerksam gemacht, ob ein weiblicher UFC Champion eine Chance hätte gegen einen männlichen Boxweltmeister:

Es ist offenbar sexistisch anzunehmen, dass in der Regel eine Frau physisch im Kampf gegen einen Mann keine Chance hat. Genauso wie es nicht auch an der größeren Stärke und einem angeborenen Aggressionspotential liegt, dass viel mehr Frauen Opfer männlicher Gewalt werden als umgekehrt, sondern ausschließlich an einer patriarchalischen Erziehung.

Dank  tougher Hollywood-Actionheldinnen glaubt auch kaum jemand, dass ein durchschnittlicher Mann stärker ist als 99,9% aller Frauen.

Drehen wir die Verhältnisse doch mal um. Es wird ja gerne berichtet, dass weibliche Gottesanbeterinnen das Männchen nach der Paarung verspeisen; wenn man dem verlinkten Artikel glauben will, oft auch schon davor. Nebenbei bemerkt: dass der Autor sich bemüßigt fühlt, darauf hinzuweisen, dass die Weibchen keineswegs pervers, sondern nur hungrig seien, ist bezeichnend für das Klima in den Medien.

Warum werden denn nicht genauso oft die Weibchen von den Männchen verspeist wie umgekehrt? Der offensichtliche Grund dafür springt einem ins Auge: die Weibchen sind viel größer als die Männchen.

Das ist aber nur die vordergründige Erklärung. Auch bei den Tierarten, bei denen die Männchen größer und stärker sind, kommt es nicht vor, dass die Weibchen nach der Paarung getötet werden. Denn Tiere, die sich so verhalten, würden aussterben, da sie sich nicht fortpflanzen könnten. Das Weibchen nach der Paarung zu verspeisen ist eindeutig ein evolutionärer Nachteil.

Zurück zur Gottesanbeterin: welchen evolutionären Vorteil hat es denn, das Männchen zu verspeisen? Darauf wird im oben verlinkten Artikel hingewiesen: das Weibchen kann dank der zusätzlichen Proteinzufuhr mehr Eier legen. Für Weibchen ist es also definitiv von Vorteil, zur Paarung Männchen zu bevorzugen, die sich leicht fressen lassen. Für Männchen ist die Sache nicht ganz so eindeutig; dass seine Partnerin mehr Kinder mit ihm bekommt wird zum Teil dadurch aufgewogen, dass sein Gefressenwerden ihn daran hindert, weitere Weibchen beglücken zu können. Aber offensichtlich ist diese verpasste Chance weniger entscheidend für seinen evolutionären Erfolg als der Proteinbonus, den er der Mutter seiner Kinder gewährt.

Was wir hier sehen, ist ein ziemlich krasses Beispiel sexueller Selektion: das Weibchen wählt zur Paarung das Männchen aus, was ihm die meisten Vorteile für die Vermehrung bietet. Kleine, leckere Männchen sind für Gottesanbeterinnen das Optimum, während es für das menschliche Weibchen offensichtlich tatkräftige, erfolgreiche Beschützertypen sind. Nicht das Patriarchat definiert das Verhalten von Männern, sondern die Frauen, die – beim Menschen – erfolglose Weicheier zu Verlierern in der Fortpflanzungslotterie gemacht haben.

(Disclaimer: Ja, wir sind keine Tiere, laber rhabarber, aber zeigt mir eine andere Theorie, die auch nur halb so erfolgreich menschliches Verhalten erklärt, wie die Annahme, dass wir halt doch zu 90% einfach nur nackte Affen sind.)

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