Freiheit und Diskriminierung

In meiner Twitterbubble wird im Augenblick heftig über den Religious Freedom Restoration Act (RFRA) diskutiert, ein Gesetz, das im US-Bundesstaat Indiana kurz vor der Verabschiedung steht und für Kontroversen sorgt, weil es beispielsweise nach Meinung von Apple-Chef Tim Cook die Diskriminierung von Homosexuellen ermögliche. Andererseits sichert es eben auch die Freiheit von Gläubigen, indem es verhindert, dass sich der Staat unangemessen in die Religionsausübung einmischt.

 

In gewisser Weise könnte man sagen, dass ein Gesetz wie das RFRA (was es übrigens nicht nur in Indiana, sondern in 20 weiteren Staaten sowie auf Bundesebene gibt) eine staatliche Regel verhindert hätte, die muslimische Lehrerinnen zwingt im Unterricht auf ein Kopftuch zu verzichten.

Tja, das ist doch dann wohl eine gute Sache, oder? Das Kopftuchurteil fanden doch alle Menschen toll, die reinen Herzens sind.

Nicht so schnell. Gegner befürchten, dass es dieses Gesetz auch ermöglichen würde, dass an Geschäften wieder Schilder aus längst vergangenen bösen Zeiten auftauchen, wie “Whites only” oder, aktueller, “Straights only”, weil ja manche Gläubige Homosexualität nicht akzeptabel finden.

Man sieht, dass hier wesentliche Prinzipien, die man jedes für sich gut finden kann, miteinander im Widerstreit geraten können.

Um mal bei den Muslimen zu bleiben, weil die ja im Gegensatz zu den meisten Christen hier ihre religiösen Vorschriften noch ernst nehmen:

  • Soll es einem muslimischen Vater erlaubt sein, die Tochter vom gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht fernzuhalten?
  • Soll der gleiche Vater, der auch eine Bäckerei betreibt, das Recht haben, Kunden abzuweisen, die für eine Hochzeitsfeier eine Torte mit einem Männerpaar als Brautleute bestellen?
  • Oder soll der Bäcker verklagt werden können, weil er sich weigert für eine Satiresendung eine Torte mit einem Mohammed-Portrait zu verzieren?

Ich gebe zu, dass es mir schwerfällt mich da für eine klare Linie zu entscheiden. Ich glaube fest an die Worte aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung:

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Jeder Mensch hat das Recht das Glück auf seinem eigenen Weg zu suchen, und wir sollen uns wenn irgend möglich dem nicht in den Weg stellen. Ich finde es abstoßend, ein älteres, christliches Ehepaar mit einer Diskriminierungsklage zu überziehen, weil es sich weigerte eine Torte für eine lesbische Hochzeit zu backen – obwohl natürlich hunderte andere Bäckereien keine Probleme mit der Torte gehabt hätten, aber es ging ja eben darum ein Exempel zu statuieren. Genauso abstoßend finde ich es aber auch, wenn Eltern sich von ihren schwulen Kindern abwenden. Oder eine Firma grundsätzlich keine Ausländer einstellt.

Andererseits widerspricht es meinen Vorstellungen von Freiheit Unternehmern Vorschriften machen zu wollen, welche Mitarbeiter sie einstellen sollen – und es ist meiner Meinung nach auch zum Scheitern verurteilt. Aber kann umgekehrt ein Unternehmer von seinen Mitarbeitern verlangen, wie sie sich in ihrer Freizeit zu benehmen haben? Ist es ok, dass Firmen Leute entlassen, die auf Twitter wegen eines blöden Spruchs Opfer eines shitstorms geworden sind? Oder in Zeiten der Social Justice Warrior einfach nur die falsche Meinung haben? Wie will man da entscheiden, was wichtiger ist? Unternehmerische Freiheit? Meinungsfreiheit? Würde?

Es ist nicht so einfach.

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