Trump. Und nun?

Wie schon beim Brexit lag ich auch mit meiner Vorhersage zur US-Präsidentschaftswahl falsch: ich hätte nie geglaubt, dass Trump gewinnt. Ich hab mich sogar lustig gemacht über seine Anhänger auf Twitter, die felsenfest von seinem Sieg überzeugt waren, obwohl alle Umfragen dagegen sprachen.

Vor der Wahl habe ich für Hillary plädiert, da sie mir als das kleinere Übel erschien. Allerdings war mir ihre Präsidentschaft nicht erstrebenswert genug, um da wirklich mehr als einen Finger zu rühren. Noch am Wahlabend sah alles nach einem sicheren Sieg für Hillary aus und das fand ich auch gut so. Einen unbeherrschten Egomanen wie Trump wollte ich mir nicht als Herr über den nuklearen Football vorstellen.

Es kam anders. Der Tribalismus, den Obama und die Demokraten jahrelang geschürt hatten und auf den Trump aufbauen konnte, hat letztendlich auch die weißen Wähler erfasst, und trotz aller Abgesänge auf den alten, weißen Mann war noch einmal, vielleicht ein letztes Mal, die Demografie auf ihrer Seite. Ebenso haben die hispanischen Wähler stärker als erwartet Teump gewählt, vermutlich weil sie die Konkurrenz mit illegalen Einwanderern auch nicht übermäßig schätzen.

Knapp drei Wochen sind seit der Wahl vergangen. Es gab die erwartete Kernschmelze bei Clinton-Anhängern und den angeschlossenen Medienhäusern. Eigentlich kam es noch schlimmer als erwartet, denn alles, was man vor der Wahl Trump unterstellte, hat das Hillary-Lager jetzt selber inszeniert; damit angefangen, dass Hillary die Niederlage nicht sofort öffentlich anerkannte, über Vorwürfe der Wahlmanipulation bis jetzt aktuell zur Unterstützung von Nachzählungen wurden sämtliche Klischees schlechter Verlierer erfüllt. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft in meiner Twitter-Timeline darauf hingewiesen wurde, dass Hillary ja die popular vote, also die absolute Stimmenmehrheit, im Gegensatz zur Mehrheit an Wahlmännern, gewonnen hätte, als ob das irgendwie von Bedeutung wäre. Genauso könnte man beim Tennis alle Bälle ins Netz dreschen und sich dann zum Sieger erklären, weil man ja eigentlich Fussball besser findet. Würde die Stimmenmehrheit zählen, hätten sich die Wähler und Wahlkämpfer anders verhalten. Mehr Heuchelei geht kaum.

Am allerschlimmsten allerdings für das politische Klima sind die zahlreichen Versuche die Wahlmänner dazu zu verleiten, anders als durch das Wahlergebnis in ihrem Bundesstaat festgelegt abzustimmen und Clinton zu wählen. Das würde die komplette Wahl ad absurdum führen und einen Bürgerkrieg heraufbeschwören. Es ist unfassbar, wie viele Linke dies fordern.

Alles in allem haben sich die Demokraten ihre Niederlage also redlich verdient, und dafür, dass Trump diese Wahnsinnigen aufhält, könnte ich ihm sogar seinen Protektionismus verzeihen. Aber leider ist es nicht nur das. Trump als president-elect ist in seiner Unbeherrschtheit genauso übel wie als Kandidat. Er fantasiert von Millionen ungültigen Stimmen zugunsten Hillarys und beschädigt damit letztendlich seine eigene Legitimität. Und obwohl das Gezeter der Linken über seine Interessenskonflikte als Geschäftsmann und Präsident jenseits von gut und böse ist, und sie vermutlich eh nur Berufspolitiker für geeignet halten, die noch nie in ihrem Leben ehrliches Geld verdient haben, kommt von Trump bisher auch wirklich keine Andeutung, wie er das real existierende Problem angehen will.

Was seine Personalentscheidungen betrifft, ist noch keine klare Linie zu erkennen, ob er nur seine Loyalisten ins Boot holt, oder auch unabhängige Geister berücksichtigt, die ihn vorher, wie etwa Mitt Romney, massiv kritisiert haben, aber eben die Kompetenz mitbringen, die seinen Leuten fehlt. Nebenbei bemerkt: Auch hier fallen wieder linke Demokraten und ihre Sykophanten in den Medien unangenehm auf, die jedem ehemaligen Trump-Kritiker, der sich einbinden lässt, Verrat vorwerfen. Ihnen ist es lieber, Amerika geht unter, als dass verantwortungsvolle Republikaner retten, was zu retten ist.

Das sind auch die beiden Möglichkeiten, die ich für Trumps Präsidentschaft sehe: entweder er bleibt der unbeherrschte Narzisst, der sich nur mit Jasagern umgibt, und fährt das Land an die Wand, woraufhin die Demokraten für sehr lange Zeit das Ruder übernehmen werden, um aus den USA eine dekadente Sozialdemokratie europäischen Zuschnitts zu machen. Oder er springt doch noch über seinen Schatten, holt kompetente Leute in sein Kabinett,  fährt seinen Ego-Trip auf Sparflamme und wird, zumindest im Vergleich zu Obama, ein passabler Präsident.

Ich hoffe auf letzteres, halte aber inzwischen leider ersteres für sehr viel wahrscheinlicher.

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Eine Antwort zu Trump. Und nun?

  1. Werwohlf schreibt:

    Ich muss dir leider zustimmen. Das einzige, das für Trump spricht, sind seine Gegner. Alles andere ist gruselig.

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