Trump

Ich habe nie viel von Donald Trump gehalten. Er verkörpert den Typ angeberischer Großkotz, der einfach nicht zu meiner geschliffenen, feinsinnigen Intellektualität passt.

Nunja. Vielleicht bin ich auch nur neidisch darauf, dass sich da jemand wirklich nicht um Konventionen und Likeability zu kümmern scheint. Egal.

Jetzt als zukünftiger Präsidentschaftskandidat der Republikaner kann ich ihn nicht leiden, weil er anders als beispielsweise Rubio nicht den Hauch einer Chance gegen Hillary Clinton haben wird. Es kann sogar passieren, dass die Republikaner durch ihn ihre Mehrheit im Senat verlieren werden. Es ist einfach schwer zu akzeptieren, dass nach einem totalen Versager wie Obama der nächste Präsident nicht Republikaner sein wird, und ich gebe Trump die Schuld daran. Was natürlich auch nicht ganz fair ist. Es sei denn, er ist wirklich, wie einige vermuten, Clintons Maulwurf, bei den Republikanern gepflanzt, um ihre Wahl zur Präsidentin sicherzustellen. Aber da schweifen wir jetzt doch etwas zu weit ins Gebiet der Verschwörungstheorien ab.

Dennoch ist es auffällig, wie sprunghaft er agiert – als ob er immer nur nach der vermuteten Meinung der republikanischen Vorwähler schielt, die gar nicht seine eigene ist, immer nur das sagt, was sie hören wollen, und ansonsten möglichst oft und inhaltsarm ausfällig wird. Das ist schon kein Populismus mehr, das ist politische Beliebigkeit mit eingestreuten Wirtshausschlägereien. Es ist keineswegs so, dass ich all seine Ideen ablehne; während ich wirtschaftspolitisch nichts mit seinem Protektionismus anfangen kann, bin ich wie er der Ansicht, dass muslimische Masseneinwanderung zu viele Probleme macht, und auch einigen Aussagen zur Außenpolitik kann ich was abgewinnen.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn seine Rede zur Außenpolitik war ein Sammelsurium von allem, was wünschenswert wäre – den IS zu schlagen, die Verbündeten zu unterstützen, sie stärker an der Finanzierung von Verteidigungsausgaben zu beteiligen, gleichzeitig mit allen, Russland, China, muslimischen Staaten gut auszukommen. Das alles zusammen ist einfach unmöglich.

Ich gebe zu, dass die Außenpolitik der USA immer eine schwierige Gratwanderung zwischen Isolationismus und Interventionismus ist. Ich gebe zu, dass das, was ich früher für richtig hielt, die Demokratie in die Welt zu tragen, nicht sehr gut funktioniert hat. Umgekehrt hat aber auch Obamas Goodwill-Tour mit anschließender Tatenlosigkeit mehr Tote als Bushs Kriege verursacht. Aber dennoch denke ich, dass von einem Präsidentschaftskandidaten realistische Pläne anstelle eines Wunschkonzerts erwartet werden können.

Und das ist neben seiner Chancenlosigkeit mein Hauptproblem mit Trump: Ich habe keine Ahnung, wofür er stehen wird, wenn er gewählt würde. Seine Ideen sind zu unrealistisch und widersprüchlich, um insgesamt umgesetzt werden zu können. Und einen Schwerpunkt kann ich nicht erkennen. Wenn ich das dann kombiniere mit einer narzisstischen Persönlichkeit, die man nur ungern im Besitz des nuklearen Football wähnen möchte, dann muss ich sagen, so schwer es mir fällt: es ist gut, dass im November Hillary Clinton und nicht Donald Trump zum Präsidenten gewählt werden wird.

Ich hoffe sehr, dass damit angesichts der demographischen und kulturellen Veränderungen in den Staaten nicht die letzte Chance der Republikaner auf eine Präsidentschaft vertan ist und auf den American Exceptionalism nicht unwiderruflich sozialdemokratischer Niedergang folgt.

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3 Antworten zu Trump

  1. alphachamber schreibt:

    Der US Präsident wird, seit W. Wilson, von einer kleinen Anzahl unsichtbarer, mächtiger Dunkelmänner gewählt. Daneben gibt es auch Fehlzündungen (wie Reagan). Bush, Clinton und Obama sind ferngesteuerte Polit-Drohnen. Obama ist ein lupenreines Implantat, der es mit seinen Mitteln es nie zur Präsidentschaft geschafft hätte. Wer vom judeo-angelsächsischen Finanz-und militärisch-Industriellen Komplex regiert werden will, ist Hillary ein non-brainer. Ich denke nicht, dass Trump Präsident werden soll. MaW: Wird Trump am Ende doch gewählt – dann durch die „echten“ Stimmen des Volkes.
    Am Ende zählt Charakter, Hilary hat den einer Hyäne, gepaart mit einem Krokodil. Trump ist hoch-intelligent. Ihm fehlen die mächtigen Dunkelmänner, also bleibt ihm nur der Populismus. Nach der Wahl kommt es viel auf seine Berater an. Die US-Wähler scheinen das zu wissen, sonst wäre er nicht so weit gekommen.
    Bei Obama haben wir dies vorausgesehen, als der igniorante Deutsche ihm entzückt zujubelte: https://huaxinghui.wordpress.com/2012/11/16/45/

  2. alphachamber schreibt:

    Es ist hier sehr früh morgens, entschuldigen Sie bitte die „Dreckfuler“.

  3. denisfeuerstein schreibt:

    Donald Trump ist das Ergebnis aus einer komplett irrationalen Erwartungshaltung der amerikanischen Wähler – die Republikaner ernten nur das, was sie selbst gesät haben!

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