Zwölf von Tausend Jahren

Anlass für diesen Text ist die Kontroverse um Rolf Sieferles Buch “Finis Germania”, das Ende Deutschlands. Aber eigentlich geht es hier nicht darum.

Sieferle wurde von einem Redakteur der FAZ der Holocaust-Leugnung bezichtigt, was er nicht getan hat, aber, was für ihn, würde er noch leben, den gesellschaftlichen Tod bedeutet hätte. Aber mit diesem Schmutz haben schon kompetentere Leute als ich aufgeräumt, sodass ich zu Sieferle nur noch anmerken will, dass seine Überlegungen zur gegenwärtigen Völkerwanderung auch meine diesbezüglichen Befürchtungen ziemlich genau treffen.

Worum es mir hier wirklich geht, ist die andere Seite in diesem Spiel: dass nämlich immer dann, wenn die Freunde toter Juden wieder mal mit dem Holocaust auf echte und vermeintliche Rechte einprügeln, von Rechts das große Gejammer einsetzt, – und das ist auch bei Sieferle zu spüren – es müsse endlich Schluss sein damit, uns immer den Holocaust vorzuhalten, das sei schließlich nur ein zwölfjähriger Ausrutscher in einer tausendjährigen Erfolgsgeschichte gewesen, und man selber wäre ja da auch noch gar nicht geboren gewesen. Und schließlich gab es ja auch Dresden. Und die Vertreibung. Von ganz rechtsaußen munkelt man dann noch, dass die Juden wohl auf ewig aus dem Holocaust Honig saugen wollen, und irgendwas müsse ja dran sein, wenn Juden seit zweitausend Jahren verfolgt würden.

Nun, da kann ich nur auf gut Deutsch sagen: Deal with it. Akzeptiert es, dass das Deutschland, auf dessen Leistungen Ihr stolz sein wollt, vor nicht allzulanger Zeit ein furchtbares, geradezu unvorstellbares Verbrechen begangen hat, und industriell sechs Millionen Menschen vernichtet hat.

Schämt Euch dafür, dass viele Eurer Vorfahren daran aktiv beteiligt waren, denunziert und gemordet haben, dass auch diejenigen, die nicht direkt beteiligt waren, geschwiegen haben und es einfach nicht wissen wollten, dass nur ganz, ganz wenige wie die Geschwister Scholl oder von Stauffenberg dagegen aufgestanden sind und es oft mit Ihrem Leben bezahlt haben.

Wer stolz sein will auf Goethe, Beethoven oder Einstein, der muss sich auch schämen für Hitler und Genossen. Wer stolz ist auf deutsche Pünktlichkeit und Ordnung, muss auch verstehen, dass daraus Kadavergehorsam werden kann. Nichts, was Deutschland an Großem geleistet hat, kann das wieder gut machen oder die Scham betäuben. Wir hätten uns nicht wirklich beschweren können, wenn die Siegermächte das Land nach der Kapitulation einfach planiert hätten. Stattdessen hat man uns nach wenigen Jahren wieder in der Zivilisation aufgenommen, und heute werden sogar von den Siegern ihre Übergriffe thematisiert und bedauert. Das ist viel mehr, als wir hätten hoffen können, nach dem, was wir getan haben.

Also hört auf herumzuheulen, denn die Schuld und die Scham werden dadurch nicht geringer. Akzeptiert unsere Verantwortung. Und vergesst auch nicht, was Hitler und die Nazis Deutschland angetan haben, nicht nur durch den Krieg, sondern auch durch die Vertreibung und Vernichtung einer goldenen Generation, die die Menschheit in die Zukunft katapultiert hätte.

Auch Linke schämen sich übrigens für den Holocaust. Bei ihnen äußert sich das auf zwei Arten. Die eine Gruppe, die Antideutschen, wünscht uns den Volkstod, und ich muss sagen, im Gegensatz zu den Selbstmordgelüsten anderer Linker in Europa und den USA kann ich das sogar halbwegs nachvollziehen.

Die andere Gruppe wehrt ihre Schuld ab, indem sie zwar eifrig des Holocausts gedenkt, aber gleichzeitig die lebenden Juden in Israel als die neuen Nazis diffamiert und ihnen Apartheid und Völkermord an den Palästinensern vorwirft. Das ist die gesellschaftlich anerkannteste Variante, den Holocaust abzuwehren, und wird bis in höchste Staatsämter gepflegt.

Das ist nicht nur genauso erbärmlich wie über das arme Holocaust-Opfer Deutschland zu jammern, sondern hilft darüberhinaus dieser anderen Gruppe, für die nur tote Juden gute Juden sind: den islamistischen Barbaren, die den einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten vernichten wollen. Es kann keine Äquidistanz für uns zwischen der Zivilisation und der Barbarei geben; Israel zu helfen liegt in unserem ureigensten Interesse.

Ich weiß, es ist nicht einfach mit unserer Scham zu leben, aber es ist der einzige Weg nach vorne. Wir müssen damit aufhören, den Juden Auschwitz vorzuwerfen. Lest Kishon, das hilft.

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