Dekadenz

Dekadenz kommt von lat. descendere, absteigen, und beschreibt die Beobachtung, dass es auch bei lange erfolgreichen Kulturen wie dem Römischen Reich nach einer Phase des Aufstiegs, Aszendenz, irgendwann zum Abstieg kommt, und dass dieser häufig nicht nur äußeren Feinden oder Naturkatastrophen geschuldet ist, sondern auch dem inneren Verfall der Gesellschaften an sich.

Bei der sprichwörtlichen spätrömischen Dekadenz denken wir zuerst an Fressgelage und wollüstige Orgien, aber der Verfall ging natürlich weit darüber hinaus, bis Rom nicht mehr willens oder in der Lage war sich gegen die anstürmenden Barbarenhorden zu verteidigen.

Es wurden bereits viele kluge Bücher darüber geschrieben, wie es zu dem Fall großer Reiche gekommen ist, aber Geschichte wiederholt sich nicht, und niemand weiß daher, ob unsere Kultur, nennen wir sie den demokratischen Westen – oder von mir aus auch das Abendland – sich bereits im Abstieg befindet.

Ein paar Entwicklungen bereiten mir allerdings Sorge.

Leistung lohnt sich immer weniger

Das gilt sowohl auf der individuellen Ebene, wo dank üppiger Umverteilung die Leistungsschwachen ein sorgenfreieres Leben genießen können als die Fleißigen und Klugen, genauso wie auf zwischenstaatlicher Ebene, wo in der EU die leistungsfähigeren Volkswirtschaften mittlerweile zu Geiseln südeuropäischer Misswirtschaft geworden sind.

Zudem geraten die Leistungsfähigen immer mehr in die Minderheit, und da sich unsere zunehmend totalitäre Demokratie anmaßt, in immer mehr Bereiche hineinzuregieren, werden durch die sozialdemokratisierte Mehrheit immer mehr falsche Rezepte immer mehr Menschen aufgezwungen.

Da dank unserer angeblich sozial gerechten, in den Konsequenzen aber leistungsfeindlichen Familienpolitik gerade in den unfähigsten und bildungsfernsten Familien die meisten Kinder geboren werden, steht es schlecht um den einheimischen Nachwuchs an Leistungsträgern.

Man könnte dieses Defizit durch eine kluge Einwanderungspolitik zumindest abmildern, aber anstatt dass wir qualifizierte Einwanderer selektieren, kann im Prinzip jeder hierbleiben, der es irgendwie über die Grenze schafft und “Asyl” rufen kann. Auch wenn die meisten Asylbewerber gar kein Anspruch auf Asyl haben – wir schieben so gut wie niemanden ab. Und illegal über Schleuser hierher schaffen es nicht unbedingt qualifizierte Wissenschaftler oder Facharbeiter mit ihren Familien, sondern skrupellose, alleinstehende Männer. Die echten Fachkräfte suchen sich wegen besserer Verdienstmöglichkeiten und niedriger Sozialabgaben, aber auch dank entsprechender Programme andere Länder aus wie Kanada, USA, Australien.

Wir kümmern uns um die falschen Probleme

Wenn man sieht, wofür der Staat unser Geld ausgibt, kann man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln. Eurorettung, Energiewende, eine komplette Integrationsindustrie für Leute, die sich gar nicht integrieren wollen. Statt die Lohn- und –nebenkosten zu senken, um attraktiver zu werden für qualifizierte Einwanderer, verschwenden wir Geld für die Rente mit 63 oder den Mindestlohn.

Dazu kommt noch der etwas preiswertere Wahnsinn Frauenquote, Genderlehrstühle und Unisextoiletten. Damit sind wir auch schon beim Radikal-Feminismus, der vor lauter Hass auf alte, weiße Männer wie Brüderle völlig den wirklichen Elefanten im Raum übersieht, die althergebrachte islamische Frauenfeindlichkeit, die sich vom Kopftuch über den Burkini bis hin zu pädophilen Exzessen wie in Rotherham oder Ehrenmorden wie gerade in Berlin und Darmstadt zeigt.

Wir wehren uns nicht mehr

Wir sind so tolerant geworden, dass vermutlich sogar Jesus inzwischen die Krise bekommen würde. Wir halten nicht nur die andere Wange hin, wir hauen uns auch selber gerne mit aller Kraft drauf. Wir wehren uns nicht gegen Angriffe auf unseren Rechtsstaat, sei es durch sog. “Großfamilien”, linksfaschistisch-gewalttätige “Gegendemonstranten”, Zumutungen durch Islamisten und Islamverbände.

Auch der gewöhnliche Einbrecher hat kaum noch etwas zu befürchten. Weitab jeder weltanschaulichen Neutralität leugnen wir den Linksextremismus, um gleichzeitig zu überlegen, zukünftig eine rechte Gesinnung bei Verbrechen als strafverschärfend zu bewerten. Umgekehrt wird Ausländerkriminalität unter den Teppich gekehrt; man will ja nicht diskriminieren.

Wenn uns die Griechen auf dem Kopf herumtanzen, zahlen wir lieber als “Bis hierher und nicht weiter” zu rufen. Und um ja nicht in die Gefahr zu geraten, uns Putins Expansionismus in den Weg stellen zu müssen, lassen wir die Bundeswehr verrotten. Appeasement ist so en vogue, dass Churchill heute eher als Hetzer verurteilt denn zum Premier gewählt würde.

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich leider auch in den USA beobachten. Dass der Iran die Atombombe will, mit der er in einem Tag den Genozid an Juden komplettieren kann, hat Obama offenbar weitgehend akzeptiert. Wird schon schiefgehen. Man wird abwarten müssen, ob Obamas Nachfolger auf diesem Weg weitermacht. Wenn ja, sehe ich wirklich schwarz.

Wie man sieht, halte ich nicht das Fehlen von Moral für dekadent, sondern im Gegenteil ist ein ungezügelter Moralismus, der Pazifismus, Selbstverleugnung und ein Übermaß an falsch verstandener Nächstenliebe produziert, für mich das eigentliche Problem. Dabei ist leider Vernunft, Pragmatismus und der Wille zur Selbstbehauptung komplett verlorengegangen. Wir sind nicht mehr bereit uns der Realität zu stellen und harte Entscheidungen für unsere Zukunft zu treffen. Diese Selbstaufgabe ist für mich der Kern von Dekadenz.

Klar, es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Aber nichts bleibt für ewig, und vielleicht erleben wir hier eben nicht mehr das Ende vom Anfang, sondern wirklich den Anfang vom Ende.

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8 Antworten zu Dekadenz

  1. Andreas Döding schreibt:

    Das Elend unserer Zeit, exakt auf den Punkt gebracht. Kompliment.

  2. Werwohlf schreibt:

    Wie man sieht, halte ich nicht das Fehlen von Moral für dekadent, sondern im Gegenteil ist ein ungezügelter Moralismus, der Pazifismus, Selbstverleugnung und ein Übermaß an falsch verstandener Nächstenliebe produziert, für mich das eigentliche Problem. Dabei ist leider Vernunft, Pragmatismus und der Wille zur Selbstbehauptung komplett verlorengegangen.

    Das ist ein interessanter Ansatz, den ich auch noch wie folgt weiterspinnen würde:

    Der moderne Staat ist dazu übergegangen, den ganzen Menschen für sich zu reklamieren. Und ab diesem Punkt wird er zur Religion. Da, wo nicht nur von den staatlichen Institutionen, sondern buchstäblich von jedem Einzelnen gefordert wird, er solle völlig frei sein von Ressentiments, Vorurteilen, Egoismus und Bevorzugung der eigenen Merkmale, ist diese Grenze längst überschritten. Und wie bei jeder guten Religion sitzen an den Funktionärsstellen die Heuchler, die alle angeblich bösen Verhaltensweisen und Einstellungen natürlich selbstverständlich praktizieren, wenn es ihnen in den Kram passt.

    • weltsichtig schreibt:

      Sehr guter Punkt. Dieser totalitäre Anspruch ist das Wesen einer Religion. Wobei wir das eigentlich auch von unseren christlichen Religionen gar nicht mehr gewohnt sind und bei einem solchen Ausmaß von Vereinnahmung und Gedankenkontrolle eher an eine Sekte wie Scientology denken würden.
      Verrückt, wie trotz Aufklärung diese Anfälligkeit für irrationale Heilsbotschaften immer wieder durchbricht.

  3. soulac schreibt:

    Möchte nur schreiben, daß ich froh bin, wenn ich, so wie hier, auf Menschen treffe, die noch nicht hirngewaschen sind. Ansonsten bin ich kurz vor dem Absprung ins Ausland. Allerdings mit dem Roman im Kopf „submission“ …..
    Bitte, geben Sie nicht auf!

  4. weltsichtig schreibt:

    Danke – auch wenn man nicht vergessen darf, dass selten etwas so heiß gegessen wie gekocht wird, und der Untergang des Westens noch keineswegs abgemacht ist.

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