Keine Pauschalurteile über den Islam?

Heute ist bei der Bildzeitung eine kleine innerredaktionelle Krise eskaliert, als der stv. Chefredakteur der BamS, Nicolaus Fest, für seinen Kommentar “Islam als Integrationshindernis” vom Chefredakteur der Bild, Kai Diekmann, mit seiner Erwiderung “Keine Pauschalurteile über den Islam!” öffentlich abgewatscht wurde.

Nun, anders als Kai Diekmann denke ich schon, dass man über den Islam pauschale Urteile fällen kann. Das tun wir ja ständig auch bei anderen Ideologien, Kommunismus, Faschismus, Liberalismus, ohne dass gleich irgendwo ein besorgter Tugendwächter aus dem Gebüsch springt und mahnend die Schreibfeder erhebt.

Das Argument, dass man das bei Religionen eben nicht tun darf, zieht hier nicht. In seiner ursprünglichen Form ist der Islam eben nicht nur spirituelle Lehre, sondern mindestens ebenso sehr politisches Programm, entwickelt von Mohammed als Anleitung zur Eroberung und Unterwerfung der arabischen Halbinsel. “Islam” heißt wörtlich eben auch “Unterwerfung” (unter Gott).

Das strikte Führerprinzip, die Gewalt- und Kriegsverherrlichung, die Unterdrückung bis hin zur Vernichtung von Minderwertigen, seien es Ungläubige oder Frauen, haben z.B. Hamed Abdel-Samad veranlasst, dem Islam faschistoide Merkmale zu attestieren.

An dieser Stelle sei zudem gesagt, dass die gerne genommenen Vergleiche mit dem Judentum oder Christentum ins Leere gehen. Obwohl natürlich auch in deren heiligen Büchern Grausames berichtet wird, ist weder beim Judentum noch beim Christentum die gewaltsame, weltweite Unterwerfung der Ungläubigen ein zentrales Ziel. Und dass das Christentum im Mittelalter und beginnender Neuzeit nicht gerade ein Hort der Humanität war, steht auch auf einem anderen Blatt, aber jedenfalls nicht im Neuen Testament.

Was bei Kritik am Islam nicht vermieden werden kann, ist es strenggläubige Muslime vor den Kopf zu stoßen, die eben jede Kritik am Islam als Beleidigung verstehen. Oder formulieren wir es genauer: man kann den Muslimen diese Zumutung nur ersparen, wenn man mit der Wahrheit hinter dem Berg hält. Das ist die Linie, die Kai Diekmann und viele andere fahren und die Nicolaus Fest wohl nicht mehr länger mitmachen wollte.

Was wir dabei allerdings wirklich nicht tun sollten, ist es Pauschalurteile über die Muslime selbst zu fällen. In unserem Land ist die Mehrzahl der Muslime moderat eingestellt – im Gegensatz zu den meisten islamischen Ländern, das sei klar gesagt. Das heißt, dass sie sich im wesentlichen auf den spirituellen Teil des Islam beziehen und nicht die Umsetzung seiner politischen Ziele anstreben. Es gibt allerdings auch bei uns eine große Minderheit von je nach Studie 20-30% der Muslime, die den Islam über die weltlichen Gesetze stellen und moderaten Muslimen absprechen, überhaupt richtige Muslime zu sein. So interpretiert wird der Islam dann natürlich zu einem Integrationshindernis, und wie Sarrazin postulierte, auch zu einem Bildungshindernis (nochmal: den Islam, nicht die Gene, machte er dafür verantwortlich!).

Es muss möglich sein vor dem Gift des politischen Islam, das zunehmend die muslimische Jugend befallen hat, zu warnen ohne der Islamophobie gescholten zu werden; gerade auch die moderaten Muslime sollten erkennen, dass Islam nicht dicker als Wasser sein darf, dass sie nicht zu Extremismus schweigen dürfen, sondern zusammen mit uns “Ungläubigen” für einen liberalen Rechtsstaat einstehen müssen.

Ich denke, dass Nicolaus Fest das im wesentlichen ebenso sieht. Dass er dann aber einen Satz hinknallt wie

Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht.

ist schwer verständlich. Schließlich schreibt er nicht 140 Zeichen auf Twitter und er hätte sich keinen Zacken aus der Krone gebrochen oder seine Aussage verwässert, wenn er bei einem sensiblen Thema mehr Fingerspitzengefühl gezeigt hätte, um die Zielgruppe zu erreichen statt sie vor den Kopf zu stoßen. Ihn deswegen aber einen Rassisten zu nennen ist der törichte Versuch unser Naivextremisten einer notwendigen Auseinandersetzung mit dem fundamentalistischen Islam auszuweichen.

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2 Antworten zu Keine Pauschalurteile über den Islam?

  1. Rayson schreibt:

    Interessant, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer ungefähr zeitgleich verfassten Beiträge zu analysieren 😉

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