Mein WM-Albtraum

Raysons WM-Traum hat mich inspiriert, auch mal von meinem WM-Traum zu erzählen, Allerdings, und das unterscheidet uns wohl, ist es ein Albtraum.

Die Erzählung erhebt trotz leichter Anklänge an die Realität keinen Anspruch auf Authentizität, vor allem wurde der Plot nicht Wikipedia-geprüft, sondern speist sich aus meiner Erinnerung, die allerdings so lebhaft ist, als wäre es erst gestern geschehen.

Oder war es doch vorgestern? Egal.

Das Spiel ist das WM-Halbfinale. Dass wir überhaupt so weit gekommen sind, verdanken wir dem heldenhaften Einsatz von Franz Beckenbauer, der trotz eines bandagierten Armes die Engländer im Viertelfinale aus dem Turnier schoss. Was übrigens auch der Beginn des englischen Albtraums ist, in dem jetzt wir Deutsche eine wiederkehrende Rolle haben.

Die meisten Spieler der deutschen Mannschaft sind Spieler aus der Bundesliga; es ist absolut unüblich Auslandsspieler ins Aufgebot zu berufen. Eine Ausnahme sind die italienischen “Legionäre”, Haller und Schnellinger, und wie es das Schicksal will, ist unser Halbfinalgegner Italien. Das andere Halbfinale bestreiten Uruguay und Brasilien, die beide genau wie Italien den Jules-Rimet-Cup (so heißt er jedenfalls in meinem Traum) schon zweimal gewonnen haben, und die Regel besagt, dass der Cup nach dem dritten Gewinn dauerhaft in das Eigentum des Gewinners übergeht. Deutschland ist bis dahin nur einmal Weltmeister geworden, also die einzige Mannschaft, die den Cup noch retten kann (und natürlich ist geplant, dass dann in vier Jahren nach dem dritten Titel im eigenen Land der Cup in Deutschland bleiben wird).

Anpfiff. Italien kommt viel besser ins Spiel und führt nach kurzer Zeit mit 1:0. Dann ziehen sich die Italiener zurück und der Rest der regulären Spielzeit ist ein Anrennen der Deutschen gegen die italienische Verteidigung, das sprichwörtliche Catenaccio, was Spieler und Zuschauer langsam aber sicher verzweifeln lässt.

Die Minuten ziehen dahin, nichts will gelingen. Und dann, gefühlsmäßig in der letzten Sekunde der Verlängerung, taucht plötzlich Schnellinger, einer der Legionäre, eigentlich gar kein Angreifer, vor dem italienischen Tor auf und befördert mit einem eleganten Ballettsprung den Ball beidbeinig ins Tor. Ausgleich.

Erlösung. Jubel. Verlängerung.

Das Glück scheint vollkommen, als Müller (oder war es Seeler?) zu Beginn der Verlängerung das 2:1 erzielt. Doch die Italiener gleichen aus. Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Müller (ja, ich glaube, jetzt war es Müller) gelingt das 3:2. Himmel.

Doch wieder machen die Italiener den Ausgleich. Der Abgrund. Diese Verlängerung ist nervenzerfetzend. Und dann heißt es plötzlich 4:3 für Italien. Ich kann es nicht glauben, ich will es nicht glauben. Ist das das Aus? Nein, es ist noch Zeit. Die Deutschen mühen sich, aber der erneute Ausgleich will einfach nicht gelingen. Die mexikanische Hitze macht sich jetzt doch bemerkbar. Es fällt kein weiteres Tor mehr. Deutschland verliert das Spiel mit 4:3 nach Verlängerung. Und verloren ist auch der Cup, der später dann von Peles Brasilianern in Besitz genommen wird, die den Italienern im Finale keine Chance lassen.

Damals hab ich mein Urvertrauen verloren und weiß jetzt, dass Fußball eine höchst unsichere Sache ist. Linekers Definition eines Fußballspiels, dass 22 Spielern auf dem Platz stehen und am Ende immer die Deutschen gewinnen, gilt nur für unsere Spiele gegen England, und als Beckenbauer nach seinem WM-Titel als Trainer prahlte, dass dieses deutsche Team für lange Zeit unbesiegbar sein würde, entlockte mir das nicht einmal mehr ein müdes Lächeln.

twitterUnd seit diesem Spiel hoffe ich bei jeder Welt- und Europameisterschaft inbrünstig, dass Italien in der Vorrunde ausscheidet und keinesfalls auf Deutschland trifft. Aber wie Rayson schon twitterte, mogelt sich Italien einfach jedes Mal ins Finale oder Halbfinale, wo es dann auch jedes Mal unseren Titelträumen ein Ende macht.

Und darum werde ich nächste Woche ganz fest Uruguay die Daumen drücken, auf dass es ihnen gelingen möge, wenigstens dieses eine Mal Italien in der Vorrunde scheitern zu lassen und uns eine Begegnung mit dem Schicksal zu ersparen.

Und im übrigen wäre Uruguay ein guter Gegner für uns. Gegen Uruguay haben wir schließlich schon damals, nach der Niederlage gegen Italien, das Spiel um den dritten Platz gewonnen.

Smiley

P.S.: Wer einen objektiveren Spielbericht lesen möchte, der findet in der Wikipedia einen Beitrag zum Jahrhundertspiel. Ich habe ihn allerdings nicht gelesen.

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