Siebzig Jahre danach

Heute vor 70 Jahren begann mit der erfolgreichen Eröffnung der Westfront das letzte Kapitel für Hitlerdeutschland.

Die Helden von damals wurden heute in der Normandie in Anwesenheit gekrönter und anderer bedeutender Häupter angemessen gewürdigt, und ich gebe zu, die versöhnliche Geste, deutsche und alliierte Veteranen gemeinsam zu zeigen zu den Klängen der Hymne an die Freude, hat auch mir wieder in Erinnerung gerufen, welche enormen Fortschritte unser Kontinent gemacht hat. Bei allem Ärger über EU und Euro sollten wir das nicht vergessen.

Fast 10.000 Soldaten starben allein am ersten Tag der Invasion, hunderttausende danach. Heute unvorstellbare Opferzahlen, und ich wage zu behaupten, dass der Westen heute nicht mehr in der Lage wäre, diese Opfer zu bringen; auch nicht für einen gerechten Krieg.

Ich gebe zu, dass ich mit gemischten Gefühlen an diesen Tag denke. Einerseits ist es ein Tag der Freude, weil danach niemand mehr daran zweifeln konnte, dass die Tage des verbrecherischen Naziregimes gezählt waren. Andererseits steckt in “Hitlerdeutschland” eben auch “Deutschland”, und es ist schmerzlich und beschämend damit konfrontiert zu werden, dass eine der heldenhaftesten Operationen der jüngeren Geschichte sich gegen mein Land richten musste, weil die Deutschen, meine Vorfahren, eines der mörderischsten Regime aller Zeiten weder aufhalten konnten noch aufhalten wollten.

Vor hundert Jahren begann mit dem ersten Weltkrieg die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, der erste Krieg mit Millionen Toten, an dessen Ausbruch, das wird langsam deutlich, Deutschland zwar eine Mitschuld, aber keinesfalls die Alleinschuld getragen hat. Auch wenn die Gnadenlosigkeit der Sieger zum Elend in Deutschland und damit zum Aufstieg Hitlers beigetragen hat, führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass die Schuld am Ausbruch des zweiten Weltkriegs, am Holocaust, an der Verwüstung Europas, allein bei Deutschland lag; dass jeder Gedanke an das Land Goethes, Beethovens oder Einsteins in Zukunft immer von der Scham begleitet sein wird, auch das Land Hitlers, Mengeles, Eichmanns gewesen zu sein.

Es ist nicht leicht Lehren aus der Geschichte zu ziehen, denn Geschichte wiederholt sich nicht. Während der erste Weltkrieg nicht zuletzt deswegen ausgebrochen ist, weil die Kriegslüsternheit aller Nationen vernünftigen Argumenten nicht mehr zugänglich war, hätte der zweite Weltkrieg möglicherweise verhindert werden können, wenn Hitler rechtzeitig gestoppt worden wäre, anstatt durch Appeasement-Politik ihm einen Triumph nach dem anderen zu gewähren.

Woran es allerdings keinen Zweifel gibt ist, dass Kollektivismus uns Deutsche zuverlässig ins Unglück stürzt. Freiheit und Toleranz, wie sie in begrenztem Umfang sogar Kurfürst Friedrich gegenüber den Hugenotten zeigte, brachten das Land nach vorne, Intoleranz, Hass, Neid verjagten unsere klügsten Köpfe, die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Deutschland zur führenden Wissenschaftsnation gemacht hatten. Auch heute sollte uns klar sein, dass trotz aller Probleme bei der Integration nicht Abschottung uns nach vorne bringt, sondern dass wir die klügsten Köpfe zu einem neuen besseren Deutschland einladen müssen, egal ob sie weiß, braun , gelb oder schwarz sind, solange sie bereit sind, etwas zu leisten und unsere Werte zu akzeptieren.

Und wir dürfen nicht wieder auf Freiheitsfeinde hereinfallen, auch wenn sie wie Putin vorgeben konservative Werte hochzuhalten. In Wirklichkeit verfolgen sie nur autoritär ihre eigene Agenda und werden nicht anders als Ökosozialisten, intolerante Linksfaschisten oder Islamisten unsere Freiheit ersticken, wenn wir sie lassen.

Seit sich die deutsche Nation im Kampf um die Freiheit gegen Napoleon fand, ist wahrlich viel Wasser den Rhein heruntergeflossen. Wir haben uns von der Freiheit ab und einem neiderfüllten, missgünstigem Kollektivismus zugewandt. Sogar die Katastrophe des dritten Reiches konnte uns nur kurz von diesem Weg abbringen. Heute ist ein vollständig von Etatisten und Kollektivisten besetzter Bundestag Symbol dafür, dass Freiheit den Deutschen erneut nicht viel wert ist. Ich glaube nicht, dass von Deutschland ein neuer Faschismus ausgehen wird. Aber genauso wenig werden wir im Fall des Falles den Feinden der Freiheit entgegentreten, wie das vor siebzig Jahren mutig diejenigen getan haben, die wir heute ehren.

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7 Antworten zu Siebzig Jahre danach

  1. alphachamber schreibt:

    „…führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass die Schuld am Ausbruch des zweiten Weltkriegs, … an der Verwüstung Europas, allein bei Deutschland lag; dass jeder Gedanke an das Land Goethes, Beethovens oder Einsteins in Zukunft immer von der Scham begleitet sein wird…“
    Die richtige Erkenntnis wäre die, dass die Bedingungen des Versailler Vertrags, der selbst in Teilen gegen das Völkerrecht verstieß (wie von den Engländern und der US auch heute zugegeben), die den nächsten Konflikt vorprogrammierten. So war es auch von dem damaligen England und Frankreich gewollt, (gegen die Interessen der USA, übrigens): „Germania esse delendam“!

    • weltsichtig schreibt:

      Ich glaube schon, dass die Bedingungen des Versailler Vetrags ein Fehler waren, aber daraus kann man nicht ableiten, dass England und Frankreich den nächsten Krieg wollten und die Schuld am Krieg trugen. Wäre ja ein bisschen wie „Alda, der hat mich dumm angequatscht, da musste ich ihn tottreten…“ Die Deutschen haben sich für ein massenmörderisches Regime entschieden und mussten und müssen leider die Konsequenzen tragen.

      • alphachamber schreibt:

        Danke für Ihre Antwort. Dieser Formulierung kann ich mich eher anschließen.
        Es ist belegt, dass das Ziel Englands und besonders Frankreichs im WK I. es war, D als Nation zu vernichten, von der Karte zu löschen. Den Franzosen war der Versailler Vertrag noch nicht genug (siehe auch die anschließenden Ruhrkämpfe). E+ F w o l l t e n definitiv eine nächste Runde.
        Dass es an D lag dies zu v e r h i n d e r n , ist schon wahr. Es gab aber auch, zu Beginn, ernsthafte Bemühungen Hitlers sich mit England (das immer noch der Angelpunkt der Weltpolitik war) zu einigen. England aber sah auf Hitler herab und gaben ihm nicht viel Zeit. “ It always takes two to tango“.
        Schönes Pfingsten!

      • weltsichtig schreibt:

        Danke, ebenso Schönen Pfingsten!

      • Martin schreibt:

        Mal ganz davon abgesehen, das der ganze -besonders widerliche- Aspekt der massenhaften, geplanten Ermordung von jüdischen -und anderen- Zivilisten, außerhalb der Kriegführung, nun mal gar nichts mit dem Versailler Vertrag zu tun hatte.

      • weltsichtig schreibt:

        Guter Punkt.

  2. Martin schreibt:

    Und man könnte natürlich auch behaupten, das die Abtretung des Elsaß und Lothringens an Deutschland und die immens hohen Reparationsforderungen Deutschlands nach 1871 Frankreich enorm zurückwarfen und den nächsten Konflikt 1914 und damit Versailles erst erzwangen.

    Mal davon abgesehen: Gegen welche Paragraphen eines damals geltenden, international anerkannten und ratifizierten Völkerrechts soll denn der Vertrag von Versailles genau verstoßen haben?

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