Max Moor und die alternative Realität des Staatsfunks

Ihre völlige Entrücktheit von den Beschränkungen unseres irdischen Seins ermöglichte großen Geistern großartige Kunstwerke zu erschaffen. Kleingeister hingegen, wie man sie mittlerweile zuhauf in staatlich alimentierten Parallelgesellschaften antrifft, seien es Institute für gender studies oder der zwangsfinanzierte Staatsfunk, erschaffen unter diesen Bedingungen irrwitzige Fantasiewelten, in die die Wirklichkeit nicht mehr korrigierend eingreifen kann. Unablässig klären uns die Propagandisten dieser Paralleluniversen darüber auf, dass schwarz in Wirklichkeit weiß ist, und zwei plus zwei fünf. Und es spielt für sie keine Rolle, dass niemand bei Verstand freiwillig bereit wäre, für solchen Unsinn zu bezahlen, denn sie sie besitzen die Lizenz zum demokratisch legitimierten Raub.

Ein besonders schönes Beispiel für alternative Realitäten lieferte kürzlich Dieter Moor, der jetzt Chelsea Max genannt werden will, in einem Beitrag seines ARD-Kulturmagazins ‚ttt – Titel, Thesen, Temperamente‚. In der Anmoderation eines Beitrags, der sich mit Seasteading befasste, äußerte er folgendes:

Da haben wir, die wir noch an Freiheit und Demokratie glauben, uns kürzlich ausnahmsweise mal wieder freuen dürfen, als diese Woche der Europäische Gerichtshof der massenhaften Vorratsdatenspeicherung einen auf die Festplatte gedonnert hat. Dank demokratischer Institutionen hat sie also doch ihre Grenzen, die Macht der datensaugenden Geheimdienste und ihren Helfern, den Internetkonzernen (sic!).

Der wackere, selbstlose Streiter dafür, dass wir ihm mit unseren Zwangsgebühren, sorry, unserer Demokratieabgabe, solidarisch ein sorgenfreies Leben ermöglichen, verkehrt also eben mal schnell die Rollenverteilung: nicht dem Staat mit seinen Gesetzen zur Vorratsdatenspeicherung und seinen Geheimdiensten haben wir unsere grenzenlose Überwachung zu verdanken, nein, tatsächlich haben uns der Staat und seine demokratischen Institutionen vor den eigentlichen Übeltätern gerettet, nämlich den Internetkonzernen. Ja, die Geheimdienste sind auch böse, aber die haben ja irgendwie gar nichts mit unserem demokratischen Staat zu tun. Staatlich-demokratisch ist der Europäische Gerichtshof, auch wenn den irgendwie ja keiner gewählt hat, und vermutlich die wenigsten wissen, auf welchen verschlungenen Wegen seine Mitglieder bestimmt werden. Und dass die Internetkonzerne durch Gesetz gezwungen werden, den Geheimdiensten zuzuarbeiten, ja, dass sie vor Gericht darum kämpfen müssen, wenigstens über das Ausmaß dieser erzwungenen Zusammenarbeit berichten zu dürfen, zeigt vermutlich nur, wie perfide sie uns alle hinters Licht führen. Außer Max Moor natürlich, denn der hat den Durchblick.

Doch während wir uns freuen über diesen kleinen Sieg, sind die Herren von Silicon Valley schon wieder viel, viel weiter. Abgehoben in größenwahnsinnige Sphären voller neuen Welten (sic!) und neuer societies, die von unserem wahren Leben völlig abgekoppelt sind. Außer natürlich, dass wir, die altmodischen Demokratiefans, dafür zu zahlen haben, mit unserem Geld, unserer Freiheit und unserer Würde.

Ja, die Internetkonzerne als das personifizierte Böse haben sich zu Herren im Silicon Valley aufgeschwungen, nachdem sie den Staat Kalifornien und die US-Armee in die Knie gezwungen haben. Es könnte allerdings auch sein, dass ich das jetzt mit dem Plot eines alten James-Bonds-Films verwechselt habe.
Jedenfalls planen sie jetzt fürchterliche Dinge, die sie sich von uns bezahlen lassen wollen über eine frecherweise als Demokratieabgabe bezeichnete und mit staatlicher Gewalt eingetriebene Zwangsgebühr. Entweder das, oder ich verwechsele hier schon wieder etwas. Aber mir war ja auch neu, dass das wahre Leben und unsere Freiheit und Würde seine Heimat beim Staatsfunk hat.

Tatsächlich gibt es natürlich wirklich kaum eine größere Gefahr für Staazis, für Staatsgläubige und Staatsprofiteure wie Max Moor, als mit Staaten konkurrierende Gemeinschaften wie die Seasteading-Projekte oder charter cities. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder sich das Staatswesen aussuchen könnte, was ihm am besten gefällt, was ihm mehr Freiheiten lässt, als die sich mit totalitärem Größenwahn in immer mehr Bereiche einmischenden Wohlfahrtsstaaten? Wo kämen wir denn hin, wenn die (Wohlfahrts-) Staatengemeinschaft nicht nur drei oder vier, sondern hunderte Steueroasen bekämpfen müsste? Wo kämen wir hin, wenn die Sozialisten aller Länder ihre Umerziehungs- und Umverteilungsprojekte selbst finanzieren müssten, weil jeder, der noch seine fünf Sinne beisammen hat, vor ihnen in eine charter city fliehen würde? Völlig klar, der Albtraum unserer staatlich finanzierten Journalistendarsteller wäre es, auf die garantierte Zwangsfinanzierung zu verzichten, und in einer solchen Gemeinschaft etwas bieten zu müssen, wofür Leute freiwillig zahlen. Und so endet auch der Bericht:

Doch die Visionen, ganze Staaten wie ein Startup-Unternehmen zu betreiben haben etwas Totalitäres. Auch wenn sie weit draußen auf dem Ozean entstehen sollen, sie bedrohen auch hier unsere demokratischen Grundrechte.

Man muss sich diese Verdrehung der Tatsachen auf der Zunge vergehen lassen.

  • Nicht ARD und ZDF, sondern Firmen wie Facebook oder Google zwingen uns für ihre Dienste zu bezahlen.
  • Nicht die Staaten, die sich in immer mehr Lebensbereiche einmischen, und wenn es nach den Grünen oder der EU geht, uns bald vorschreiben werden, wie viele Lagen unser Klopapier haben darf, sind totalitär, sondern Städte, bei denen jeder kommen kann, wie es ihm beliebt, und wieder gehen kann, wenn ihm etwas nicht passt.
  • Und es verstößt gegen unsere demokratischen Grundrechte, wenn jemand von staatlichen Räuberbanden und Umerziehungsanstalten mitsamt ihrem miesen Service die Nase voll hat und sich für ein besseres Leben anderswo entscheidet.

Orwell wäre stolz auf diese neusprachliche Meisterleistung. Aber schließlich kann man von einem zwei Milliarden Euro teuren Staatsfernsehen und seinen Lakaien wenigstens etwas Kreativität erwarten.

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2 Antworten zu Max Moor und die alternative Realität des Staatsfunks

  1. Julia schreibt:

    Es sieht ganz danach aus, daß Seasteading recht bald Realität werden wird: „Herbst bis Winter 2014“. 😀
    Quelle: der letzte Abschnitt auf: http://seenahme.de

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