“Deutschland von Sinnen”–eine Rezension

Um gleich mal Missverständnissen vorzubeugen: ich habe das Buch nicht gelesen. Es gibt ja immer noch Kleingeister, die das als Voraussetzung für eine Rezension ansehen. Spätestens seitdem jeder Journalist, der etwas auf sich hält, die Mär von Sarrazins Antisemitismus oder dass er behaupten würde, Muslime seien genetisch dümmer, gedankenlos wiederkäut, weil er das so in einem anderen Qualitätsmedium gelesen hat, sollte doch klar sein, dass der Trend hin zur Quartärliteratur geht. Was man bei Amateuren “Stille Post” nennen würde, gilt vielen Journalisten mittlerweile als ernsthafte Recherche. In diesem Sinne habe ich mich professionell vorbereitet und einige Rezensionen überflogen; darunter sogar eine oder zwei von Leuten, die das Buch wohl tatsächlich gelesen haben.

(Und ja, die Überschrift ist ein guter Teaser. Und ein bisschen Verarsche hat noch keinem geschadet.)

Vor sehr vielen Jahren ist mir Akif Pirinçci als Autor des Katzenkrimis Felidae zum ersten Mal begegnet. Das ist schon so lange her, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Ich weiß noch, dass das damals ein ziemlicher Hype war; man musste es gelesen haben. Ja, es war ziemlich unterhaltsam. Und ich habe in keiner Sekunde daran gedacht, dass der Autor türkische Wurzeln hat. Heute ist das anders. Heute definiert man Menschen geradezu über ihre Herkunft. Und obwohl man das deswegen macht, um im Namen der allgegenwärtigen diversity Menschen mit ausländischen Wurzeln zu feiern, beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass man damit auch diesen Menschen und dem Zusammenhalt in unserer Gesellschaft insgesamt keinen Gefallen tut.

Pirinçci scheint das ähnlich zu sehen und zusammen mit seiner unkorrekten Ausdrucksweise genügt das, um ihn beim gewohnheitsmäßig linken Feuilleton zu einer Unperson zu machen. Ich bezweifele, dass Pirinçci wirklich der homophobe Rassist ist, als der er dargestellt wird (gebe aber zu: um das genau zu wissen, wäre es vielleicht doch hilfreich gewesen, sein Buch zu lesen), aber schon seine Forderung, dass sich Migranten gefälligst selber integrieren, ja sogar assimilieren sollen, anstatt mit Hilfe unserer Integrationsindustrie genau diese Integration zu verweigern, gefährdet massiv die Bedeutung (und die Arbeitsplätze) der professionellen Gesundbeter und Opferbeauftragten, die daher alles tun werden, damit diesen Ansichten “keine Plattform geboten wird”.

In seiner neuen Rolle als enfant terrible ist er mir zum ersten Mal aufgefallen durch sein Essay “Das Schlachten hat begonnen”, in dem er mit drastischen Worten die Reaktion unserer “geisteskranken linken Medienleute” auf das Geschehen in Kirchweyhe kritisiert, wo ein junger Deutscher von einer Gruppe Türken totgeprügelt wurde. Neben seiner korrekten Definition der Evolutionstheorie fiel er dabei natürlich vor allem durch die Brutalität seiner Worte aus dem üblichen Rahmen. Ich bezweifle, dass man unabhängig von der Stichhaltigkeit seiner Thesen mit solchen Worten irgendjemanden von einem alternativen Standpunkt überzeugen kann. Aber um es ganz deutlich zu sagen: die eigentliche Perversion in Kirchweyhe war neben der Tat selber der Umgang der dortigen Politiker damit; anstatt die bestialische Tat und die Täter zu verurteilen wurde eine Kundgebung “gegen Rechts” inszeniert, als ob die Täter deutsche und nicht türkische Rassisten gewesen wären.

Vielleicht kann man also wirklich nur noch mit so drastischen Worten ein Gegengewicht aufbauen zu diesem institutionalisierten Wahnsinn, der unter dem Mantel der Toleranz Appeasement betreibt gegenüber den Intoleranten. Und deshalb wird jemand wie Akif Pirinçci, der den Mut und das Standing hat, um diesem Thema Gehör zu verschaffen, dringend gebraucht.

Nicht nur deswegen werde ich demnächst mal wieder Akif Pirinçci lesen. Aber vermutlich nicht Deutschland von Sinnen, obwohl es trotz des Titels seine poetischen Qualitäten zu haben scheint, sondern seine früheren Werke, die mir wegen ihrer literarischen Qualität auch von rechtem Gedankengut völlig unbeleckten Menschen empfohlen wurden.

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4 Antworten zu “Deutschland von Sinnen”–eine Rezension

  1. Rayson schreibt:

    als ob die Täter deutsche und nicht türkische Rassisten gewesen wären.

    Nach allem, was ich gehört habe, war die Tat nicht rassistisch motiviert. Klar aber, dass man das umgekehrt natürlich sofort unterstellt hätte.

    • weltsichtig schreibt:

      Gebe zu, dass der Satz mehr durch Symmetrie als durch mir zum konkreten Fall bekannte Fakten zustande kam. Allerdings gibt es zweifelsohne gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auch gegen Deutsche, egal ob das jetzt Rassismus ist, oder Auswirkungen von Banden- und Clan-Strukturen in diesen Parallelgesellschaften

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Der Autor gibt einem mit dem Buch keinen Wink mit dem Zaunpfahl – er haut ihn dem Leser gleich ins Gesicht und scheint großes Vergnügen dran zu haben. Akif Pirinçci ist grob, ordinär und übertreibt gnadenlos – was die meisten Rezensenten in den Feuilletons ihm wohl übel genommen haben. Pirinçci ist Romancier und verwendet seine Stilmittel entsprechend. Er scheint auch Spaß dran zu haben, heilige Kühe zu schlachten und diese vorher ausgiebig zu schänden.

    Gleichzeitig schafft es Pirinçci aber sauber zu differenzieren und ganz klar zu machen, daß er nur ein paar recht kleine Minderheiten meint, die zwar besonders laut sind, dabei aber keine große Bedeutung hätten, würde man ihnen in den Medien nicht so viel Raum geben.

    Deshalb ist Ihre Meta-Analyse durchaus richtig. Ein homophober Rassist ist Pirinçci definitiv nicht, aber er hasst Deppen … intensiv und nachhaltig 😉

    • weltsichtig schreibt:

      Das klingt ja sehr interessant! Allerdings kann ich auch nachvollziehen, dass Leute, die sich schon aus viel geringeren Anlässen genötigt sehen, mit Aufschrei und anderen Kampagnen zu reagieren, gnadenlose Übertreibung bei diesen sensiblen Themen nicht ertragen.
      Andererseits reagieren diese Kreise ja auch auf eine sachliche Aufarbeitung der Themen mit der gleichen Tabuisierung, daher kann man sich wohl auch den Spaß gönnen sie absichtlich zum Rasen zu bringen… 😉
      Jedenfalls vielen Dank für diese *echte* Rezension!

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