Broken bubble

In sozialen Medien umgibt man sich genau wie im richtigen Leben primär mit Leuten, die einem ähnlich sind, und daher oft auch ähnliche Meinungen vertreten wie man selbst.

Denn nur wenig ist befriedigender als einfache Wahrheiten mit einer MeuteBildschirmfoto 2014-03-31 um 21.58.56 Gleichgesinnter zu teilen und sich über die Unwissenden außerhalb der eigenen Filterbubble lustig zu machen. Gerade wenn man im echten Leben zu einer der bedauernswerten Minderheiten gehört, die nur schwer Gleichgesinnte finden, etwa, weil man seltsame sexuelle Vorlieben pflegt oder glaubt, dass der Staat sichBildschirmfoto 2014-03-31 um 22.19.31 ziemlich ungeschickt anstellt beim Versuch all unsere Probleme zu lösen, ist der tägliche gefilterte Nachrichtenstrom wie ein Bad in der Menge, wie eine Trockenübung im stage diving, die einem die Kraft gibt, danach wieder 15 Minuten Tagesschau ohne Schreikrämpfe zu ertragen.

Allerdings lasse ich mir ungern nachsagen völlig beschränkt und von Gestern zu sein, weswegen ich aus Gründen der diversity bei Twitter durchaus auch Leuten mit anderer Meinung folge. Ich bin mir zwar, wenn ich die eifrigsten Verfechter kultureller diversity richtig verstehe, nicht ganz sicher, ob Meinungsvielfalt auch von diesem Konzept der Vielfalt abgedeckt ist, denn schließlich darf man ja nicht jedem Abweichler eine Plattform bieten, aber ich habe auf jeden Fall zur Sicherheit neben einigen Alibi-Linken auch Kulturschaffende in meiner ansonsten schwerpunktmäßig politisch besetzten Timeline, die sich allerdings zum Glück nicht wirklich für Politik interessieren und daher nur selten meinen, dem politischen Mainstream Tribut zollen zu müssen.

Seit einiger Zeit ist jetzt allerdings meine Filterbubble kaputt. Der Schuldige ist, wie man schon vermuten kann, natürlich Wladimir Putin.

Viel intensiver, als ich es bei anderen Themen erlebe, gehen die Meinungen zu ihm wild durcheinander. Neben dem alten Gegensatz zwischen Sozialisten und Marktwirtschaftlern gibt es in meiner Timeline eine mindestens ebenso große Kluft zwischen Pro- und Anti-Westlern, zwischen Isolationisten, die sich an 1914 erinnert fühlen, und Interventionisten, die 1938 vor Augen haben. Manche sehen das Selbstbestimmungsrecht der Völker durch die Annexion der Krim gefährdet, andere bestärkt. Putin hat erreicht, dass viele in ihm einen Verbündeten sehen im Kampf gegen den US-amerikanischen Finanzkapitalismus, die EUdSSR und die Zionisten, aber gleichzeitig auch gegen den Islam, für die Vorherrschaft christlicher Werte und der traditionellen Familie.

Ich hatte ja gehofft es gäbe wenigstens ein Thema, bei dem ich mal auf der richtige Seite stehen könnte, nämlich zusammen mit CDU, SPD, FDP und den Grünen auf der Seite der Mehrheit, aber ich muss anerkennen: Putin hat es geschafft die Mehrheit der Deutschen auf seine Seite zu ziehen, obwohl (oder weil?) fast der gesamte Bundestag mit Ausnahme der Linken seine Politik missbilligt. Er versteht offensichtlich mehr von ihnen als ich.

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2 Antworten zu Broken bubble

  1. Andreas Döding schreibt:

    Das ist übrigens der Grund, weshalb ich zum Thema inzwischen (bzw. von Anfang an) weitestgehend schweige und stattdessen versuche, zuzuhören, und das ist schwierig genug 😉 danke für diesen ebeso „ratlosen“ wie lesenswerten Beitrag!

    • weltsichtig schreibt:

      Ich würde es eher „verwundert“ als „ratlos“ nennen. Ich denke schon, dass man die gewaltsame, pseudodemokratische Annexion der Krim nicht unbeantwortet lassen darf, auch wenn wahrscheinlich auch bei einer regulären Abstimmung Teile der Ukraine für eine Angliederung an Russland votiert hätten.
      Man kann nicht tatenlos zusehen, wie Russland Verträge bricht, mit denen der Ukraine für den Verzicht auf Atomwaffen Unverletzlichkeit der Grenzen garantiert wurde, und andererseits erwarten, dass beispielsweise Israel für seine Sicherheit auf solche Garantien vertraut. Oder, um mal näher bei uns zu bleiben, die Euro-Staaten für ihre Rechtsbrüche kritisieren, und Russlands Handeln rechtfertigen.

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