Solidarität mit Anne Helm

Am 13. Februar jährten sich zum 69. Mal die vernichtenden Luftangriffe der Aliierten auf Dresden, die damals wenigstens 25.000 Todesopfer unter der Zivilbevölkerung forderten. Anläßlich der Gedenkveranstaltungen kam es zu der seitdem auf Twitter als „#Bombergate“ bekanntgewordenen Demonstration der Piratin Anne Helm, bei der sie im Femenstil mit nacktem Oberkörper dem als „Bomber Harris“ bekannten britischen Strategen der Luftangriffe dankte.

Auch mit viel gutem Willen kann man diese Aktion nur als geschmacklos bezeichnen. Sich über den Tod so vieler Menschen zu freuen ist eine Verhöhnung der Toten. Und das völlig unabhängig davon, dass die Deutschen schuld am Krieg waren, nur zurückbekamen, was Coventry angetan wurde, und man an die damaligen Aktionen der Aliierten auch nicht heutige Maßstäbe anlegen kann, nach denen die gezielte Vernichtung von Zivilisten ein Kriegsverbrechen wäre.

Warum dann Solidarität mit Anne Helm?
Aus zwei Gründen: Wie sie in einem Interview mit der Jungle World sagt, bekommt sie „zurzeit Drohungen, die von Suizid-Aufrufen, Morddrohungen bis hin zu Vergewaltigungsandrohungen reichen“. Das ist ein Unding. Egal, wie man zu der Aktion steht, sind solche Gewaltandrohungen ein NoGo, die in unserer westlichen Zivilisation keinen Platz haben dürfen. Die Aktion mag geschmacklos gewesen sein, aber diese Drohungen sind ein Verbrechen. Genau wie wir – leider nicht deutlich genug – Kurt Westergaard nach seinen Mohammed-Karikaturen gegen fanatische Islamisten in Schutz genommen haben, verdient jetzt Anne Helm unsere Unterstützung. Wohlgemerkt, nicht gegen berechtigte, auch harte Kritik, aber gegen Gewaltandrohungen sehr wohl.
Denn das ist es, was Demokraten von Extremisten auf beiden Seiten unterscheidet: dass der Zweck nicht alle Mittel heiligt und die Meinungsfreiheit ein hohes Gut darstellt.

Der zweite Grund ist trivialer: junge Menschen machen Fehler. Wie sie in dem Interview sagt, wollte sie Nazis provozieren, aber keine Opfer verhöhnen. „Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen. Es war dumm und ich wollte niemanden verletzen.“ Natürlich kann man die Aktion noch weiter gegen die Piraten ausschlachten, und weiß Gott,  die haben es in ihrem aktuellen Zustand wahrlich verdient, aber irgendwann sollte es gut sein, und kein weiteres Wasser auf die Mühlen derjenigen gegossen werden, die schon bisher versuchten, das Gedenken an die Dresdner Opfer zu instrumentalisieren, um von der Schuld der Nazis an dieser Katastrophe abzulenken.

Und außerdem würde ich ungern auf Anne Helms Stimme verzichten. Nicht als Politikerin, sondern als Synchronsprecherin, versteht sich.

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4 Antworten zu Solidarität mit Anne Helm

  1. Rayson schreibt:

    Nein.
    Keine Solidarität mit Anne Helm.
    Wohl heftiger Widerspruch gegen alle, die sich gegen sie eines Tons befleißigen, den wir aus gutem Grund nicht hören wollen.
    Und gerne auch ein Wohlwollen, das ihre Klarstellung als Entschuldigung akzeptiert.
    Was sie gemacht hat, war falsch. Passiert jungen Menschen. Alles verstanden.
    Aber was Nasen wie Julia Schramm dann noch oben drauf gesetzt haben, lässt sich nur schwer in dieses Schema einordnen. Die gute Frau weiß, was sie tut, und warum.

  2. alphachamber schreibt:

    „…Die Aktion mag geschmacklos gewesen sein, aber diese Drohungen sind ein Verbrechen…“
    Ergo: Der Mittelweg zwischen zwei extremen, unvernünftigen Handlungen, ist nicht die Vernunft.
    Nette Grüße

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