There is no alternative.

Jeder kennt diesen Satz, oder zumindest die neuzeitliche Kurzfassung: alternativlos. Nun, es ist eine Sache, von etwas so überzeugt zu sein, dass man sich dazu keine alternative Herangehensweise vorzustellen vermag, eine andere dafür zu sorgen, dass es keine Alternative geben kann. Und genau das passiert im Moment bei uns unter dem schönen Schlagwort Harmonisierung, was mit Harmonie in etwa soviel zu tun hat wie ein Entsorgungspark mit dem Englischen Garten. Viel besser treffen die Sache Begriffe wie Zentralisierung, Gleichschaltung, Monopolisierung, aber da es den Protagonisten der Einfalt bisher noch nicht gelungen ist, diese Begriffe ähnlich positiv zu besetzen wie die ubiquitäre Gerechtigkeit, muss immer mal wieder neben der Harmonie die Union für neue Wortschöpfungen herangezogen werden, sei es als Bankenunion, als Fiskalunion, demnächst vielleicht als Olivenölfläschchenunion, Nichtraucherunion und Geschwindigkeitsbegrenzungsunion.

Von F.A. Hayek stammt der schöne Satz “eine der Hauptaufgaben des Wettbewerbs [ist], zu zeigen, welche Pläne falsch sind“1.. Wenn man also die falschen Pläne verfolgt, tut man gut daran den Wettbewerb auszuschalten. Und genau das ist es, was eigentlich hinter dieser Manie zur Gleichheit steckt – zu verhindern, dass irgendwo irgendjemand zeigen kann, dass es eine Alternative gibt, und diese möglicherweise sogar besser funktioniert als die zentralistische, gleichgeschaltete Mehrheitslösung.

Beispiele dazu gibt es in der Geschichte genug. In der Wirtschaft übernehmen große, etablierte Unternehmen schon mal gerne einen kleinen, aufstrebenden  Konkurrenten, bevor dessen Innovation ihnen gefährlich werden kann; offiziell, um von neuen Ideen zu profitieren, in Wirklichkeit mindestens ebenso oft um Innovation zu verhindern.

Nehmen wir einfach mal den größten Versuch in dieser Richtung: im Kalten Krieg das Bestreben der sozialistischen Staaten ihr Wirtschaftsmodell weltweit zu etablieren. Nach außen hin natürlich unter dem Banner, den vom Kapitalismus unterdrückten Massen den Weg zum Himmel auf Erden zu eröffnen, in Wirklichkeit aber aus der Erkenntnis geboren, dass sie niemals ihre Untertanen von der Überlegenheit des Sozialismus überzeugen können, solange Staaten jenseits des eisernen Vorhangs das Gegenteil beweisen. Solange sogar eine eingemauerte Stadt wie Berlin als “Schaufenster des Westens” den real existierenden Sozialismus demütigen konnte, war leider auch der neue sozialistische Mensch nur schwer davon abzubringen, wenn er schon nicht beim Zettelfalten seiner Meinung Ausdruck verleihen konnte, dann trotz der damit verbundenen Gefahren mit den Füßen abzustimmen.

Niall Ferguson spricht in diesem Zusammenhang davon, dass mit Deutschland und Korea Mitte des 20. Jahrhunderts ein gewaltiges Experiment veranstaltet wurde, als jeweils eine Hälfte des Landes mit einem marktwirtschaftlich-kapitalistischem, die andere mit einem planwirtschaftlich-sozialistischem Wirtschaftssystem versehen wurde: “Die Ergebnisse waren erfreulich eindeutig: Innerhalb verblüffend kurzer Zeit entwickelten sich West- und Ostdeutschland beziehungsweise Süd- und Nordkorea dramatisch auseinander.”2

Der aktuellste Versuch das Scheitern eines Systems zu verschleiern, indem man Alternativen zu verhindern sucht, ist die aktuelle Politik der EU – angefangen bei der Banken- und Eurorettung über den Kampf gegen sog. Steueroasen bis hin zum Versuch widerspenstige Länder wie UK auf einheitliche Linie zu bringen und das vorgeblich hochgehaltene Subsidiaritätsprinzip durch immer mehr Einmischung in nationalstaatliche Zuständigkeiten auszuhebeln: dies alles dient dem Ziel erfolgreiche Alternativen zur offiziellen Alternativlosigkeit zu verhindern.

Und kann man schon nicht verhindern, dass offensichtlich erfolgreiche Gegenmodelle wie die Schweizer Kleinstaaterei oder Islands Nichtrettungspolitik existieren, wird schon mal wie früher mit der Kavallerie gedroht, oder diskreditiert, was das Zeug hält. Richtig absurd wird die Alternativlosigkeit dann, wenn den wenigen erfolgreichen Staaten in der EU noch ihr relativer Erfolg angekreidet wird, und mehrheitlich Forderungen vertreten werden, dass sie sich bei den anderen Versagern einreihen sollen und dieselbe erfolglose Politik betreiben, die diese bereits in den Ruin getrieben hat.

Große Staaten machen große Fehler. Existieren dagegen viele kleine Staaten, die unabhängig voneinander Entscheidungen treffen und verschiedene Wege beschreiten können, besteht sogar die Chance, dass einige davon irgendetwas richtig machen, und die übrigen davon lernen können.

Verblendeten Politikern scheint es lieber zu sein, ihr Land vor die Wand zu fahren, solange man ihnen nur nicht nachweisen kann, dass sie Fehler gemacht haben, indem man funktionierende Alternativen aufzeigt. Umso mehr sollten wir uns dafür einsetzen in der EU Föderalismus, Eigenverantwortlichkeit, Vielfalt und Subsidiarität zu fördern, denn nur so können wir sicherstellen, dass auch in Zukunft die bessere Alternative gewinnt.


1 zitiert nach http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=8675

2 aus http://www.zeit.de/2013/20/der-niedergang-des-westens/komplettansicht

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